Erstaufnahmelager Braunschweig

Braunschweig – ein Ort der Menschenrechte?

In ihrem direkten Umfeld, hier in Braunschweig, gibt es einen Ort, an dem Menschenrechte eine untergeordnete Position inne haben. Bei diesem Ort handelt es sich um das Erstaufnahmelager für Geflüchtete und Asylsuchende in Norddeutschland. Eine Massenunterkunft, mit Mehrpersonen-Zimmern, schlechten hygienischen Bedingungen, einem fremdgesteuertem tristen Alltag ohne die Möglichkeit, zu arbeiten oder einen Deutschkurs zu besuchen, erwartet Menschen, die alles Gewohnte und Geliebte aus Angst um ihr Leben verlassen haben. Ihre Hoffnung, hier in Deutschland ein freies, selbstbestimmtes und vor allem sicheres Leben führen zu können, wird dadurch schnell zerstört, die Perspektivlosigkeit wird aufgezeigt.

Die deutschen Erstaufnahmelager sind der erste Ansatzpunkt einer repressiven Flüchtlings- und Asylpolitik. Obwohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), von dem eine Außenstelle in Braunschweig neben dem Erstauffanglager ansässig ist, sich selbst als Integrationsbehörde darstellt, sieht die Realität leider anders aus. Praktisch ist kein Wille der Integration zu erkennen, stattdessen werden Geflüchtete isoliert, demotiviert und es endet in einem langen Weg der Frustration.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erkennt Geflüchtete aus dem Sudan nicht als Flüchtlinge an. Dieser Status würde aber, im Gegensatz zum Status des Asylsuchenden, mehr Sicherheit bieten. Ob jemand als Flüchtling anerkannt wird, hängt u.a.  von der Beurteilung seines Herkunftslandes ab. Der Sudan wird vom BAMF nicht als ein solches Herkunftsland eingestuft. Obwohl der Diktator Omar al-Bashir als einziges Staatsoberhaupt weltweit vom Internationalen Gerichtshof (ICJ) wegen Verbrechen an der Menschlichkeit gesucht wird. Obwohl auch die UN-Kommission für Menschenrechte beschreibt, dass sich die Situation im Sudan stetig verschlechtert. Obwohl bekannt ist, dass tagtäglich Gewaltverbrechen durch das Regime, das die Scharia als Gesetzesgrundlage nutzt, durchgeführt werden.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sieht nur die Akten und ihre Kennziffern. Es wird nicht auf die Menschen dahinter geachtet. Es wird nicht darauf geachtet, dass es für niemanden eine leichte Entscheidung ist, alles zu verlassen und eine Reise auf sich zu nehmen, von der bekannt ist, dass sie lebensgefährlich ist. Auch wenn der Großteil der deutschen Bevölkerung schlicht nicht weiß, wie es ist, im (Bürger-)Krieg zu leben, erhoffen wir uns mehr Teilhabe und Verständnis und weniger Ignoranz. Im täglichen Leben sind Geflüchtete mit vielen Vorurteilen und Einschränkungen konfrontiert, die aufgrund von Unwissenheit, Hetze und einer unnötigen Angst entstanden sind. Dadurch wird viel zu häufig außer Acht gelassen, dass es sich um Menschen handelt. Das einzige, was Geflüchtete von der deutschen Bevölkerung unterscheidet, ist der zufällige Geburtsort.

Wir möchten die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, welche Menschenrechtsverletzungen in ihrem direkten Umfeld stattfinden.  Wir möchten verdeutlichen, dass die derzeitige Asylpolitik menschenunwürdig ist. Wir sudanesischen Geflüchteten fordern Schutz durch die Anerkennung als Flüchtlinge.

Unser Recht. Genau hier. Genau jetzt.